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Reisedurchfall - Durchfall auf Fernreisen vorbeugen
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Wie Sie Trinkwasser, Essen und Reiseapotheke clever planen – damit der Urlaub nicht im Bett endet.

Der Flug ist gebucht, die Unterkunft steht, die Vorfreude wächst – und dann kommt der Magen-Darm-Infekt dazwischen. Reisedurchfall gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen auf Fernreisen: Bei vierwöchigen Reisen in tropische und subtropische Regionen entwickeln laut Institut für Infektions- und Tropenmedizin der LMU München etwa 20 bis 50 Prozent der Reisenden eine Diarrhö. Besonders häufig passiert das in Südasien, Teilen Lateinamerikas und Nordafrika. Meist ist Reisedurchfall unangenehm, aber harmlos. Gefährlich wird er, wenn viel Flüssigkeit und Salze verloren gehen.

Klug vorplanen

Mit kluger Hygiene, einer passenden Reiseapotheke und klaren Warnzeichen lässt sich viel vermeiden – und im Ernstfall richtig handeln. Ihre Apotheke berät Sie gern.

Was ist Reisedurchfall – und warum trifft er so viele?

Reisedurchfall entsteht meist nicht durch „ungewohntes Essen“ allein, sondern durch Krankheitserreger in verunreinigten Speisen oder Getränken. Häufig sind Bakterien beteiligt; das Merkblatt der Ludwig Maximilian Universität München (LMU) nennt etwa 80 Prozent bakterielle Ursachen. Auch Viren können Durchfall auslösen, oft mit Erbrechen. Einzeller wie Giardia können eher länger anhaltende Beschwerden verursachen. Typisch sind wässrige Stühle, Bauchkrämpfe, Blähungen, Übelkeit und manchmal Erbrechen.

Das Risiko steigt, wenn Trinkwasser nicht zuverlässig sauber ist, Lebensmittel unzureichend erhitzt wurden oder Speisen lange warm beziehungsweise ungekühlt stehen. Leitungswasser hat in vielen Ländern keine Trinkwasserqualität. Kritisch sind daher Eiswürfel, Salate, rohes Gemüse, nicht durchgegartes Fleisch, rohe oder unzureichend erhitzte Meeresfrüchte, Rohmilchprodukte und Speisen vom Buffet, die lange offen stehen. Das Auswärtige Amt empfiehlt deshalb: nur Wasser sicheren Ursprungs trinken, unterwegs auch zum Zähneputzen möglichst Trinkwasser verwenden und bei fehlendem Flaschenwasser gefiltertes, desinfiziertes oder abgekochtes Wasser nutzen. (Quelle: Auswärtiges Amt)

Die wichtigste Regel: Wasser zuerst prüfen

Viele Reisende achten beim Essen auf „scharf oder mild“, aber vergessen das Wasser. Dabei ist Wasser die Basis fast jeder Infektionskette: Es steckt in Eiswürfeln, gewaschenem Salat, Smoothies, frisch gepressten Säften, Tee, Kaffee, Suppen und manchmal sogar im gespülten Geschirr.

Sicherer sind original verschlossene Flaschen, frisch abgekochtes Wasser oder korrekt aufbereitetes Wasser. Vorsicht gilt bei Flaschen, deren Verschluss bereits geöffnet wirkt. Eiswürfel sollten nur verwendet werden, wenn klar ist, dass sie aus sauberem Wasser hergestellt wurden. Für abgelegene Reisen können Wasserfilter oder Desinfektionstabletten sinnvoll sein; wichtig ist, dass sie zum Reiseziel und zur Wasserqualität passen.

Check vor der Reise: Geht es in ein Hotel in einer Großstadt, auf Backpacking-Tour, zum Trekking oder in eine Region mit eingeschränkter medizinischer Versorgung? Je einfacher die Bedingungen, desto wichtiger werden Wasseraufbereitung, Elektrolyte und ein Plan für den Notfall.

Essen im Urlaub: nicht ängstlich, aber aufmerksam

Die alte Reiseregel „peel it, boil it, cook it or forget it“ ist streng, aber praktisch: Schälen, kochen, durchgaren – oder lieber verzichten. Das bedeutet nicht, dass der Urlaub kulinarisch langweilig werden muss. Frisch gekochte Speisen, die heiß serviert werden, sind meist die bessere Wahl als lauwarme Buffets. Obst ist günstiger, wenn man es selbst schälen kann. Bei Salaten, rohen Kräutern, Sprossen oder vorgeschnittenem Obst ist Vorsicht sinnvoll, weil auch pflanzliche Lebensmittel mit Krankheitserregern verunreinigt sein können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Obst, Gemüse, Kräuter, Sprossen und Blattsalate Keime tragen können und gründlich gewaschen werden sollten; auf Reisen ist aber gerade die Wasserqualität beim Waschen oft der Unsicherheitsfaktor. (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung)

Besonders riskant sind rohe Meeresfrüchte, nicht durchgegartes Fleisch, Speisen mit rohen Eiern, unpasteurisierte Milchprodukte und alles, was lange ungekühlt steht. Das Auswärtige Amt nennt ausdrücklich: Obst und Gemüse nur geschält und/oder gekocht verzehren, Fleisch und Fisch nur gekocht oder gebraten essen, rohe Milch meiden und keine rohen Meeresfrüchte essen. (Quelle: Auswärtiges Amt)

Händehygiene: klein, aber entscheidend

Händewaschen wirkt banal, ist aber einer der wichtigsten Schutzfaktoren. Besonders vor dem Essen, nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit Geld, Haltegriffen oder Tieren sollten die Hände gereinigt werden. Das Auswärtige Amt empfiehlt Händewaschen mit Seife so oft wie möglich und bei fehlendem Wasser und Seife ein Flüssigdesinfektionsmittel.

Tipp: Praktisch für unterwegs sind ein kleines Händedesinfektionsmittel, Papiertaschentücher und gegebenenfalls desinfizierende Tücher für Oberflächen. Das ersetzt keine Lebensmittelhygiene, senkt aber das Risiko in Situationen, in denen Waschbecken und Seife fehlen.

Was gehört bei Reisedurchfall in die Reiseapotheke?

Die wichtigste Maßnahme bei Durchfall ist nicht „stoppen“, sondern Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzen. Die aktuelle S2k-Leitlinie zu gastrointestinalen Infektionen empfiehlt bei Reisediarrhö als Primärtherapie die orale Rehydration. Kommerzielle Elektrolyt-Glucose-Lösungen sind dafür geeignet; die WHO-Trinklösung enthält definierte Mengen an Glucose und Salzen, damit Wasser und Elektrolyte im Darm aufgenommen werden können.

In die Reiseapotheke gehören daher in vielen Fällen:

  • Elektrolyt-Glucose-Pulver zur Herstellung einer oralen Rehydrationslösung
  • ein geeignetes Mittel gegen Durchfallbeschwerden, nach Beratung
  • ggf. ein Mittel gegen Übelkeit, passend zu Alter, Vorerkrankungen und anderen Medikamenten
  • Händedesinfektion
  • Fieberthermometer
  • bei Fernreisen: individuelle reisemedizinische Beratung zu Impfungen, Malaria, Dauermedikation und Notfallplan

Mythos Cola und Salzstangen: Diese sind kein gleichwertiger Ersatz. Die Pharmazeutische Zeitung verweist darauf, dass Cola zu viel Zucker enthält, was Durchfall verstärken kann, während wichtige Salze wie Kalium oder Citrate fehlen. Elektrolytlösungen aus der Apotheke sind definierter zusammengesetzt.

Loperamid: hilfreich, aber nicht immer richtig

Loperamid kann bei leichtem bis moderatem, wässrigem Durchfall kurzfristig nützlich sein – zum Beispiel, wenn eine lange Busfahrt oder ein Flug bevorsteht. Es hemmt die Darmbewegung und lindert dadurch das Symptom. Es beseitigt aber nicht die Ursache. Die Leitlinie empfiehlt Motilitätshemmer bei ausgeprägter Durchfallsymptomatik ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl nur kurzfristig, maximal zwei Tage. Bei schwerer Reisediarrhö mit Fieber und Blutabgang ist Loperamid kontraindiziert.

Für Kinder, Schwangere, Stillende, ältere Menschen, Menschen mit Herzrhythmusstörungen, Lebererkrankungen oder vielen Begleitmedikamenten sollte die Anwendung immer individuell abgeklärt werden. Gerade hier lohnt sich die Beratung in Ihrer APOTHEKE AM BOTANISCHEN GARTEN .

Antibiotika: nicht vorsorglich einnehmen

Viele Reisende wünschen sich „für alle Fälle“ ein Antibiotikum. Das klingt beruhigend, ist aber medizinisch nicht automatisch sinnvoll. Die S2k-Leitlinie sagt klar: Eine antimikrobielle Chemoprophylaxe gegen Reisediarrhö soll generell nicht durchgeführt werden. Gründe sind unter anderem Nebenwirkungen, Resistenzentwicklung, fehlende Wirkung gegen Viren und Parasiten sowie falsche Sicherheit bei der Hygiene. Ausnahmen können nur individuell begründet sein, etwa bei Immunsuppression oder bestimmten schweren Vorerkrankungen. Fragen Sie Ihre Arztpraxis individuell zu Ihrem Fall.

Gibt es eine Impfung gegen Reisedurchfall?

Gegen „den Reisedurchfall“ insgesamt gibt es keine Impfung, weil viele verschiedene Erreger beteiligt sein können. Trotzdem können Reiseimpfungen wichtig sein. Je nach Ziel, Reiseart und Vorerkrankungen kommen beispielsweise Hepatitis A, Typhus oder Cholera in Frage. Eine Choleraimpfung ist für die meisten Reisenden laut Auswärtigem Amt nicht notwendig; das Cholera-Risiko für Touristen wird als sehr gering eingeschätzt, solange Hygiene eingehalten wird.

Wann muss man ärztliche Hilfe suchen?

Reisedurchfall klingt meist innerhalb von 3 bis 5 Tagen von selbst ab. Gefährlich wird er durch Austrocknung, besonders bei Kindern, älteren Menschen und Personen, die entwässernde Medikamente wie Diuretika einnehmen. Warnzeichen sind Schwindel, schneller Puls, trockener Mund, Kreislaufprobleme und bei Kindern ausbleibender Urin beziehungsweise trockene Windeln.

Medizinische Hilfe ist wichtig bei Fieber, Blut im Stuhl, starken Bauchkrämpfen, anhaltendem Erbrechen, deutlichem Flüssigkeitsverlust, reduziertem Allgemeinzustand, Kollapsneigung, Immunsuppression oder schweren Grunderkrankungen.

Reisedurchfall kurz & knapp

Reisedurchfall ist kein seltenes Randproblem, sondern eine der häufigsten Beschwerden auf Fernreisen. Er entsteht meist durch verunreinigte Speisen oder Getränke und kann den Urlaub schnell ausbremsen. Der beste Schutz beginnt vor Ort: sicheres Wasser, gutes Durchgaren, vorsichtige Auswahl roher Lebensmittel und konsequente Händehygiene. Ganz verhindern lässt sich Reisedurchfall nicht immer – aber man kann gut vorbereitet sein. Hier unser 3-Schritte-Plan für unterwegs:

1. Vorbeugen: Nur sicheres Wasser, keine unsicheren Eiswürfel, Speisen frisch und heiß, Obst selbst schälen, Hände konsequent reinigen.
2. Früh reagieren: Bei den ersten wässrigen Durchfällen sofort trinken – am besten Elektrolyt-Glucose-Lösung in kleinen Schlucken. Nicht erst warten, bis Kreislaufprobleme auftreten.
3. Warnzeichen ernst nehmen: Kein Loperamid bei Fieber oder Blut im Stuhl. Bei starker Schwäche, anhaltendem Erbrechen, Kindern, älteren Menschen oder Vorerkrankungen früh medizinische Hilfe suchen.

Wer eine Reise plant, sollte sich rechtzeitig beraten lassen – besonders bei Fernreisen, Reisen mit Kindern, Schwangerschaft, chronischen Erkrankungen oder Dauermedikation. In der Apotheke lässt sich klären, welche Produkte sinnvoll sind, welche Warnzeichen gelten und was wirklich ins Gepäck gehört.

FAQ: Häufige Fragen zu Reisedurchfall

Wie schnell beginnt Reisedurchfall?

Häufig tritt Reisedurchfall in den ersten Tagen bis zur ersten Woche im Reiseland auf. Viele Fälle sind mild und klingen nach wenigen Tagen wieder ab.

Was hilft am wichtigsten bei Reisedurchfall?

Am wichtigsten ist Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, idealerweise mit einer oralen Rehydrationslösung. Sie ersetzt Wasser und Salze, die über den Durchfall verloren gehen.

Darf ich Loperamid im Urlaub nehmen?

Bei wässrigem Durchfall ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl kann Loperamid kurzfristig sinnvoll sein. Es sollte nicht bei Fieber, blutigem Stuhl oder länger ohne ärztliche Rücksprache angewendet werden.

Helfen Cola und Salzstangen?

Besser nicht als Hauptmaßnahme. Cola enthält viel Zucker und kann Durchfall verstärken; Salzstangen liefern nicht alle wichtigen Elektrolyte. Sinnvoller sind definierte Elektrolyt-Glucose-Lösungen aus der Apotheke.

Brauche ich ein Antibiotikum gegen Reisedurchfall?

Meist nicht. Eine vorbeugende Antibiotika-Einnahme wird generell nicht empfohlen. Bei Fieber, Blut im Stuhl, schwerem Verlauf oder Risikopatienten sollte ärztlich entschieden werden, ob ein Antibiotikum nötig ist.

Medikamente gehören ins Reisegepäck

Elektrolytpulver gehört – wie auch andere Medikamente – ins Handgepäck, nicht in den Koffer. Reisedurchfall kommt oft genau dann, wenn der Koffer noch nicht da ist oder die nächste Apotheke weit entfernt liegt. Allgemein gilt: Medikamente sollten in der Originalverpackung inklusive Beipackzettel transportiert werden, um die Identifikation zu erleichtern. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist eine ärztliche Bescheinigung (am besten auf Englisch) ratsam. Flüssige Medikamente im Handgepäck sind erlaubt, auch über 100 ml, wenn sie für den Flug benötigt werden.


Verfasst und geprüft von der APOVENA Fachredaktion in Zusammenarbeit mit der APOTHEKE AM BOTANISCHEN GARTEN in Braunschweig . Stand 06/2026. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder Apotheke.

Für eine persönliche Beratung kommen Sie einfach bei uns in der APOTHEKE AM BOTANISCHEN GARTEN in Braunschweig vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und helfen Ihnen gerne weiter.

Stephanie Brach,

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